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Wie aus einer starken Idee ein blasser Messeauftritt wird

Marketing

Die Messesaison rückt näher und in vielen Unternehmen beginnt damit eine der intensivsten Phasen des Kommunikationsjahres. Marketing, Vertrieb, Produktmanagement und PR sammeln Themen und überlegen, wie man den Stand zu einem echten Publikumsmagneten machen kann. Griffige Ideen sind dabei selten Mangelware, ganz im Gegenteil: Oft fällt schon im ersten Workshop ein Satz, der das Zeug zur zentralen Botschaft hat.

In den folgenden Monaten geschieht dann aber jedes Jahr das gleiche: Von der anfänglichen Prägnanz ist vor Ort wenig übrig, auch wenn der Stand professionell gestaltet ist, die Pressematerialien umfassend und der Auftritt optisch ansprechend wirkt. Besucher gehen weiter, ohne sagen zu können, wofür das Unternehmen in diesem Jahr eigentlich steht.

Die Ursache liegt selten in den Ideen selbst, sondern in ihrem Weg durch Abteilungen, Freigaben und Abstimmungsrunden. Warum gehen Botschaften gerade vor Messen verloren und weshalb kostet dieser Umstand heute mehr als früher? Und wie können Unternehmen bewusst gegensteuern?

Warum jeder Messeauftritt heute mehr zählt

Messen bleiben im B2B-Marketing zentral. Laut dem aktuellen AUMA-Aussteller-Ausblick halten 97,5 Prozent der befragten Unternehmen sie für eine unverzichtbare Plattform für Austausch, Innovation und Geschäftsanbahnung. Gemeinsam mit dem persönlichen Verkauf zählen sie zu den am höchsten bewerteten Marketinginstrumenten.

Gleichzeitig wird gezielter ausgestellt. Die durchschnittliche Zahl der Messebeteiligungen sinkt von 5,4 in den Jahren 2024/2025 auf voraussichtlich 5,1 für 2026/2027, während mehr als 40 Prozent der Aussteller ihr Messebudget für die laufende Saison erhöhen wollen. Zudem muss mehr als ein Viertel der Befragten Messebeteiligungen intern zunehmend gegenüber digitalen Marketinginstrumenten rechtfertigen. Wer seltener ausstellt und mehr in den einzelnen Auftritt investiert, kann sich eine Botschaft, die unterwegs an Wirkung verliert, deshalb kaum leisten.

Wo die Reibung entsteht

Gleichzeitig ist klar: Kaum ein Projekt bringt so viele Abteilungen an einen Tisch wie ein Messeauftritt. Gleichzeitig fallen Ungereimtheiten und kleine Unterschiede hier besonders stark ins Gewicht, die im Alltag bei einem regulären Kommunikationsmix nicht auffallen würden. Marketing denkt in Zielgruppen, Vertrieb in Argumenten, Produktmanagement in Funktionen und PR in Nachrichtenwert. Unterschiedliche Perspektiven also, die zugleich berechtigt und widersprüchlich sein können. Was dem einen zu vage ist, ist dem anderen zu zugespitzt. Ohne klare Kriterien setzt sich so meist der kleinste gemeinsame Nenner durch, eine Aussage also, ohne Ecken und Kanten, die nicht verfängt.

Dabei verschärft der fixe Messetermin den Zwang zur Abstimmung und damit auch den Hang zur verwaschenen Message. Pressemitteilungen brauchen Vorlauf, damit Fachmedien sie in ihre Vorberichterstattung aufnehmen. Unter diesem Druck zählt oft nicht mehr, welche Formulierung die stärkste ist, sondern welche am schnellsten durch die Freigabe kommt.

Auf der Strecke bleibt dabei vor allem die zentrale Botschaft. Wie beim Kinderspiel „Stille Post“ gibt jede Station sie ein wenig anders weiter. Ein Maschinenbauer möchte zum Beispiel zeigen, dass seine neue Anlage den Energieverbrauch in der Produktion deutlich senkt. Nach den Runden durch Produktteam, Vertrieb, Rechtsabteilung und Marketing hängt am Stand schließlich ein Satz wie „Effiziente Lösungen für die Industrie von morgen“. Formal richtig, aber austauschbar, und vermutlich hängt ein sehr ähnlicher Satz zwei Gänge weiter beim Wettbewerb. Das Problem ist dabei keine einzelne Änderung, sondern das Fehlen klarer Leitplanken für den gesamten Prozess.

Was gute Messekommunikation anders macht

Aus unserer Erfahrung stimmen Unternehmen, deren Messeauftritte im Gedächtnis bleiben, nicht weniger ab als andere. Sie legen aber früher fest, woran sich jede Abstimmung messen lassen muss. Vier Grundsätze haben sich dabei bewährt, und um am Beispiel des Maschinenbauers lässt sich zeigen, wie sie in der Praxis aussehen.

1.Erst die Botschaft, dann der Stand

Bevor über Standfläche oder Gestaltung gesprochen wird, muss feststehen, welcher grundlegende Satz bei den Besuchern hängen bleiben soll. Alles andere ordnet sich diesem unter. Für den Maschinenbauer heißt das, die Energieersparnis steht im Mittelpunkt, und zwar so konkret wie möglich, etwa als Prozentwert aus einem Pilotprojekt. Niedrigere Betriebskosten, Nachhaltigkeit oder die einfache Nachrüstung verschwinden dadurch nicht. Sie dienen aber als Belege für diese eine Aussage statt als eigene Botschaften. Ob das gelingt, zeigt ein einfacher Test. Kann jede Person am Stand die Botschaft in einem Satz und in eigenen Worten wiedergeben? Erst dann lohnt es sich, Materialien daraus abzuleiten.

2.Klare Rollen in der Freigabe

Nicht jede Abteilung muss jeden Text freigeben. Sinnvoll ist es, früh festzulegen, wer Input liefert, wer fachlich prüft und wer entscheidet. Fachliche Prüfung bedeutet dann, Fehler zu korrigieren, nicht die Aussage neu zu verhandeln. Beim Maschinenbauer prüft die Rechtsabteilung also, ob die genannten Einsparwerte durch Messdaten gedeckt sind, statt sie vorsorglich abzuschwächen. Der Vertrieb bringt die Fragen der Kunden ein, die in die Argumentation einfließen, entscheidet aber nicht über den Claim. Feste Redaktionsschlüsse, die vom Messetermin aus rückwärts geplant werden, sorgen zusätzlich dafür, dass Entscheidungen nicht erst unter dem Druck von Produktionsfristen fallen.

3.Verantwortung für das Gesamtbild bündeln

Ob intern oder mit einer Agentur als Partner, es braucht jemanden, der nicht für einzelne Texte zuständig ist, sondern für das Gesamtbild. Diese Person führt Rückmeldungen zusammen und hat das Mandat, Änderungen abzulehnen, wenn sie die Aussage verwässern. Genau hier setzt auch integrierte Kommunikation an: Statt einzelne Maßnahmen isoliert zu betrachten, werden Botschaften, Inhalte und Kanäle aufeinander abgestimmt und konsequent aus einer gemeinsamen Kommunikationsidee heraus entwickelt.

Besonders wirksam ist ein gemeinsamer Blick auf alle Materialien vor Produktionsstart. Liegen beim Maschinenbauer Standmotiv, Präsentation, Presseinformation und Social-Media-Beiträge nebeneinander, fällt sofort auf, wenn die Pressemitteilung die Energieersparnis in den Vordergrund stellt, die Präsentation aber mit der Digitalisierungsstrategie beginnt. Solche Widersprüche bemerkt bei der Freigabe einzelner Dokumente niemand.

4.Das Standteam gezielt vorbereiten

Rund 49 Prozent der Unternehmen messen ihren Messeerfolg über Leads, Kontakte und Neukundengewinnung. Entscheidend ist damit das persönliche Gespräch am Stand. Dort arbeiten jedoch oft Kolleginnen und Kollegen aus Technik oder Service, die im Alltag kaum in die Kommunikation eingebunden sind. Ein kurzes Briefing gibt ihnen Sicherheit. Der Servicetechniker des Maschinenbauers muss nicht die gesamte Produktfamilie erklären können. Er sollte aber die Energieersparnis in eigenen Worten vermitteln, sie mit einem Wert aus dem Pilotprojekt belegen und auf naheliegende Einwände wie Preis oder Umrüstaufwand antworten können. Eine kurze Probe vor Messebeginn zeigt schnell, wo noch Unsicherheit besteht.

Fazit

Ein blasser Messeauftritt ist selten ein Kreativproblem, sondern fast immer ein Organisationsproblem. Der Messeauftritt selbst zeigt nur am deutlichsten, dass alles mit Organisation steht und fällt. Wer die Messevorbereitung nutzt, um diese Strukturen einmal sauber aufzusetzen, gewinnt deshalb mehr als einen gelungenen Auftritt, nämlich eine Kommunikation, die auch im Alltag ihre Schärfe behält und weit über den letzten Messetag hinaus bei Entscheiderinnen und Entscheidern im Kopf bleibt.

Sie planen Ihren nächsten Messeauftritt? HBI Communication hilft Ihnen dabei, dass Ihre Botschaft über alle Schnittstellen hinweg klar bleibt und bis in die Messehalle trägt. Sprechen Sie uns an über: vibes@hbi.de 

 

Über die Autorin

Lucia Galindo Riedel

Communication Advisor bei HBI Communication Helga Bailey GmbH

Lucia Galindo Riedel unterstützt seit 2024 die HBI in den Bereichen der PR- und Marketing-Arbeit.
Als Communication Advisor ist sie unter anderem für die Erstellung von fachbezogenen Beiträgen und die Konzeptionierung von Social-Media-Postings zuständig. Zudem ist Lucia an der direkten Kundenbetreuung beteiligt.

Bildquelle: www.canva.com

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