Die persönliche zwischenmenschliche Kommunikation rückt im Zeitalter von Smartphones, Facebook-Posts und Tweets immer weiter in den Hintergrund. Zusätzlich wird sie durch Messaging-Dienste wie WhatsApp, Facebook-Messenger und sogar Instagram und Snapchat (die vor allem von jüngeren Nutzern auch immer mehr als Nachrichtendienste verwendet werden) weiter verdrängt. Doch wer ist dafür verantwortlich? Entweder sind es die milliardenschweren CEOs der ebenso großen Messaging-Firmen oder aber es liegt doch an uns selbst…

Lieber digital kommunizieren?
Unschuldig ist sicherlich keine der Parteien. Beide haben dazu beigetragen, dass die persönliche Kommunikation weniger wichtig und fast schon altmodisch geworden ist. So benutzerfreundlich und einfach die Oberfläche von Facebook und Co. auch gestaltet wurde, so trifft uns, die Nutzer, immer noch die Hauptschuld an dieser Situation. Denn wir sind es, die täglich bis zu 42 Milliarden Nachrichten über den mittlerweile beliebtesten Messenger der Welt, WhatsApp, verschicken. Dieser Nachrichtentornado, der seine Kreise über den gesamten blauen Planeten zieht, besteht zum Teil auch aus Floskeln wie wmdha (Was machst du heute Abend?) oder wg (Wie geht’s?). Nachrichten, geschweige denn Wörter, würde ich das nicht nennen, von einem Gespräch ganz zu schweigen. Paradoxerweise habe ich es oft genug selbst miterlebt, dass viele Nachrichten zu Stande kommen, während man bereits in einer Gruppe von (eigentlich) engen Freunden sitzt, die sich dann offensichtlich von der zwischenmenschlichen emotional-geprägten Kommunikation abwenden, und dafür online mit anderen, nicht anwesenden Leuten, kommunizieren.

Letztendlich trifft man sich mit Freunden, um sich dann virtuell mit denen zu unterhalten, mit denen man sich nicht trifft. Entweder haben meine Freunde gelernt, sich telepathisch über den Tag und die Arbeit auszutauschen oder die heutige Generation zieht tatsächlich das Online- dem Offline-Gespräch vor. Aber woran liegt das?

Kein Druck in der digitalen Welt
Tatsächlich bietet WhatsApp seinen Nutzern Features, mit welchen die zwischenmenschliche Kommunikation nicht mithalten kann: Das Empfangen von Fotos und Videos, all die digital ausgedrückten Emotionen bzw. Emojis; sodass es auch möglich ist, sich mit seinen Freunden um 2 Uhr nachts in dieser Form über die Geschehnisse des letzten Fußballspiels auszutauschen. Warum aber dann nicht wenigstens telefonieren, da dort das Zuhören-Denken-Antwort-Prinzip trainiert wird? Das trifft in grober Form natürlich auch auf die Messaging-Dienste zu, aber hier zeigt sich auch der entscheidende Grund, warum man heutzutage lieber nach dem Handy greift als nach dem fallengelassenen Gesprächsball in einer Runde mit Freunden: kein Druck. Erhält man eine Textnachricht, so hat man viel mehr Zeit, um nachzudenken. Es gibt kein Gegenüber, welches dich kritisch ansieht, weil man sich auf die Frage “Was machst du heute?“ erstmal 20 Minuten Zeit lässt, bevor man antwortet. Online ist das kein Problem, da man erst nach Stunden oder auch gar nicht antworten kann. Dadurch wird unser Gehirn stark entlastet und es gibt endlich Platz, um über diese wichtige Frage nachzudenken, wenn der gesamte Freundeskreis zu faul zum Reden geworden ist und bei der Platzwahl zuerst nach einer Steckdose geschaut wird.

Aber ich will nicht zu kritisch sein. Nein, Online-Messaging hat auch etwas Gutes: Dadurch, dass wir nun Kugelschreiber, Briefpapier, Briefkasten und Postfahrzeug in unserer Hosentasche herumtragen, ist Kommunikation so einfach wie noch nie. Jeder kann mit jedem schreiben, im Notfall ist man, im Idealfall eines vollen Akkus oder einer sitzplatznahen Steckdose, immer und überall erreichbar und kann somit auch schnellstmöglich auf einen solchen Notfall reagieren.

Zurück zum Ursprung
Trotz der zugegebenermaßen auch positiven Aspekte: Die persönliche durch die digitale Kommunikation zu ersetzen, geht eindeutig zu weit! Denn es gibt leider keine Ausrede dafür, mit Freunden eine 24-Stunden-Kommunikation über jeden umgefallenen Reissack in China zu führen, um sich in der realen Welt während eines Treffens dann anzuschweigen. In diesem Fall ist die Kommunikation gescheitert – und das gerade wegen der Geräte, die uns eigentlich die Verständigung miteinander erleichtern sollten.

Nichtsdestotrotz steigen die Nutzerzahlen von WhatsApp weiterhin an, die Steckdosen in Bars und Cafés sind beliebt wie nie zuvor, der Texttornado zieht weiterhin seine Runden und wird sekündlich mit teils anspruchsvollen und wichtigen, teils aber auch Nachrichten – denen gegenüber selbst der simpelste Smalltalk über das Wetter mehr Inhalt und Informationsaustausch bietet – gespeist. Vielleicht ist es an der Zeit, dass uns dieses Dilemma deutlicher bewusst wird. Instant-Messaging-Dienste sind eine hilfreiche Möglichkeit, um mit Familie und Freunden in Kontakt zu bleiben – vor allem über größere Entfernungen hinweg. Wenn man sich dann aber persönlich trifft, sollte man sein Handy besser in der Tasche lassen. Denn noch ersetzt kein Gerät die persönliche Kommunikation – zum Glück!

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