Die Jodel-App ist unter Studenten besonders beliebt. Schnell wandert während zahlreicher Vorlesungen der Blick auf das Smartphone und die Langeweile verfliegt: „Du weißt, du bist ein guter Student, wenn du die Entscheidung, morgen ins Seminar zu gehen, vom Angebot in der Mensa abhängig machst!“ – liest man dann zum Beispiel. Mittlerweile hat Jodel viele Anhänger gefunden und ist vor allem in typischen Studentenstädten wie Münster und Göttingen verbreitet.

Entwickelt wurde die App schon im Jahr 2014; sie hatte aber erst Ende des letzten Jahres ihren Durchbruch. Die Idee hinter Jodel ist, dass sich Studenten über aktuelle Events und Nachrichten austauschen können. Bisher ist die App vor allem in Deutschland, den skandinavischen Ländern, Teilen Westeuropas und Saudi-Arabien aktiv. Fünf Millionen Mal wird pro Tag auf Jodel gepostet. Im Jahr 2015 knackte die Plattform die Marke von einer Million Nutzer, die sich mittlerweile vervielfacht hat. Um wie viel genau will Alessio Avellan Borgmeyer, Gründer der App, nicht verraten.

Nun sollen auch die USA vom Jodel-Fieber gepackt werden. Dazu erhielt das Start-up sechs Millionen Dollar von Investoren aus dem Silicon Valley und plant die US-Expansion. Das ist bemerkenswert, da bisher alle erfolgreichen Social-Media-Plattformen aus den USA kamen und dies nun der Durchbruch für ein soziales Netzwerk aus Deutschland sein könnte. Vor allem auch, da der amerikanische Konkurrent YikYak, der ebenfalls eine Plattform zum anonymen Nachrichtenaustausch anbot, vor einigen Monaten eingestellt wurde.

Doch wie finanziert sich Jodel eigentlich? Diese Antwort steht noch aus. Bisher konzentriert sich die Plattform darauf, neue und „gute Nutzer zu gewinnen“, so Borgmeyer. Der Gründer glaubt, dass relevante Beiträge der Nutzer wiederum zu neuen Nutzern führen werden. Die Monetarisierung erfolge dann später. Werbung, die ortsbasiert ausgespielt wird, sei naheliegend. Die genaue Strategie für die Zukunft ist aber noch nicht klar. Auf jeden Fall soll Jodel kostenlos bleiben, sagt Borgmeyer.

Wie funktioniert die App?
Als User kann man kurze Texte veröffentlichen, welche im Umkreis von bis zu zehn Kilometern gelesen werden können. Es kann kommentiert und bewertet werden; die populärsten Einträge werden so zuerst angezeigt. Die Jodel-Aktivität wird in Form von Karma-Punkten gemessen, welche steigen und sinken können. Zudem verschwinden alte Posts nach einer gewissen Zeit, da sie von neuen abgelöst werden. Somit hält nichts ewig. Jodel ist anonym und auch regional begrenzt. Es werden so andere Themen diskutiert als auf Facebook oder Twitter. Außerdem werden Neuigkeiten und Tipps ausgetauscht und verbreitet. Das Ziel der Plattform ist, dass die Inhalte und nicht die Person im Vordergrund stehen.

Keine Probleme mit Beleidigungen und Rassismus
Oft sind soziale Netzwerke von rassistischen oder beleidigenden Kommentaren betroffen. Auch gibt einem die Anonymität der App zu denken, da man nicht genau weiß, wer eigentlich hinter den Posts steckt. Durch die Downvotes, die man verteilen kann, verschwinden diese Art von bösen Kommentaren jedoch schnell. Auch sogenannte Moderatoren sorgen für einen harmonischen Umgang unter den Nutzern, indem sie bösartige Kommentare löschen und den Meldungen der Nutzer nachgehen.

Offensichtliche Werbung ist verboten
Neben Witzen, Fragen nach Ausgehmöglichkeiten, der nächsten Polizeikontrolle und auch vielen Geschichten aus dem eigenen Leben, kann man auch Schleichwerbung auf Jodel finden (auch Native Advertising genannt). So können baldig stattfindende Events, aber auch aktuelle Aktionen kostenlos verbreitet und somit Besucher und Kunden gelockt werden. Wichtig dabei ist die Ortsbezogenheit, welche durch die eingeschränkte Reichweite von zehn Kilometern vorhanden sein muss. Werbung im herkömmlichen Sinne, wie z. B. Anzeigen gibt es dabei nicht, da diese der Anonymitätsidee widersprechen. So sollten Unternehmen sich nicht zu offensichtlich präsentieren, da dies schnell zu Abweisung und Downvotes seitens der Jodler führen kann. Werbende sollten deswegen posten, ohne dass die Jodel-User es als offensichtliche Werbung wahrnehmen.

In Zukunft soll Jodel noch mehr Nutzer auf der ganzen Welt auf sich aufmerksam machen. Unternehmen und Werbetreibende versuchen bereits, durch die Plattform den direkten, anonymen Kontakt zu potentiellen Endkunden zu schaffen. Für das Marketing wird es allerdings wichtig sein, dass ihre Werbung nicht zu stark als solche auftritt, um die Nutzer nicht zu verärgern. Informationen zu örtlichen Events oder Locations wären allerdings denkbar. Vor allem durch die örtlich eingeschränkte Kommunikation bietet die App Möglichkeiten wie beim Guerilla-Marketing. Ob die Plattform langfristig für Werbetreibende interessant wird und bleibt, wird sich erst noch zeigen.

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