Die Frage „Nutzt Ihre Firma Snapchat?“ würden die meisten mit „Nein“ beantworten. Auch nachdem die Aktie von Snapchat nach deren Börsenstart stark gesunken ist, möchten Unternehmen mit einer Zielgruppe von 18-34-Jährigen trotzdem wissen, wie sie die Zielgruppe über die App erreichen können.

Entwickler von Sozialen Medien stehen unter Druck, wenn es darum geht, die Reichweite zu erhöhen und zusätzliche Werbepartner zu finden. Seit den neusten Updates haben verschiedene Soziale Netzwerke einige Features voneinander übernommen. Zum Beispiel nehmen die meisten Firmen an, dass, seit Instagram die Story-Funktion eingeführt hat, es keinen Grund mehr gäbe, weiter Snapchat zu nutzen. Allerdings sind es nicht nur die Storys oder das Discover-Feature, die Snapchat ausmachen, sondern die einzigartige und exklusive Community.

Laut einer Statistik von App Annie wurden 35 % der Snapchat-Nutzer nicht von Facebook, 46 % nicht von Instagram und 58 % nicht von Messenger erreicht. Demnach bietet Snapchat eine interaktive Benutzeroberfläche, die Nutzer langfristig unterhält: Die durchschnittlichen 166 Millionen User, die Snapchat täglich nutzen, starten die App bis zu 18-mal am Tag und verbringen zwischen 25 und 30 Minuten auf der Plattform. Grade mal 60 % der Nutzer kreieren bis zu drei Billionen Snaps am Tag.

Während das Nachahmungsspiel zwischen den sozialen Netzwerken in vollem Gange ist, entschied sich Snapchat im Mai dafür, mit drei neuen Updates ihr Angebot im Werbebereich auszuweiten. Diese Updates nutzen Filter sowie die speziellen Geofilter, wovon die Snapchat-Community täglich Gebrauch macht. Laut Snapchat nutzt im Durchschnitt einer von drei Nutzern die Snapchat-Filter täglich und die Geofilter werden über eine Milliarden Mal am Tag angeschaut. Die neuen Features World-Filter (in 3D), smarte Geofilter und der Audience-Filter (für Werbung) sind besonders interessant für Unternehmen und ermöglicht es ihnen, auf Snapchat kreative und originelle Werbung für die Nutzer der App zu schalten.

World-Filter
Der gesponserte World-Filter ermöglicht es Nutzern, Selfies in Werbung umzuwandeln. Nutzer bearbeiten ihre Bilder bis zu 15 Sekunden lang, bevor sie diese tatsächlich verschicken. Diese wertvollen Sekunden sind für Unternehmen die Gelegenheit, sich auf Snapchat zu vermarkten. Der neue World-Filter fügt jedem geschossenem Foto VR-Elemente hinzu. Zum Beispiel ist es möglich, ein 3D-Objekt in ein Bild zu integrieren, das sich dort dann bewegt, als wäre es real. Snapchat bezeichnet dies als „Painting the World“.

Auch mit der Kamera lässt sich Werbung erstellen. Es gibt vier verschiedene World-Filter: Zum einen ist es möglich, 2D- oder 3D Objekte im Foto oder Video zu platzieren und zum anderen interagiert der Filter mit der Umgebung, reagiert auf Berührung und besitzt eine Gesichtserkennung. Dazu kommt noch eine interaktive Linse, die ähnlich wie ein in-App Spiel funktioniert. Zu guter Letzt noch der Ambient-Filter, welcher durch Effekte für ein angenehmes Licht sorgt.

Das Unternehmen Warner Bros gehört zu den ersten, die Werbung für ihren neuen Film „Everything, Everything“ mit dem World-Filter ausprobiert haben. Sowohl Netflix als auch Dunkin Donuts arbeiten momentan noch an ihren neuen Snapchat-Kampagnen.

Auch wenn die 3D-Technik für „schwebende Grafiken“ noch nicht komplett ausgereift ist, geht der Großteil der Nutzer davon aus, dass viele Unternehmen diese Technologie bald nutzen werden, um Objekte durch die Kamera zu erschaffen, mit denen interagiert werden kann. In naher Zukunft könnten also 3D-Objekte dazu dienen, den Nutzer beim Anklicken auf die Website eines Produkts weiterzuleiten.

Bei der Erstellung der Kampagnen wurden Unternehmen wie Taco Bell oder L´Oréal meistens durch das Kreativ-Team von Snapchat unterstützt, denn eine Snapchat-Werbung zu erstellen ist ein langer und kostspieliger Prozess. Allerdings soll die Erarbeitungszeit von großen Kampagnen durch die neuen Updates von acht auf sechs Wochen reduziert werden.

Audience-Filter
Vorher konnten Unternehmen ausschließlich national werben, doch durch den Audience-Filter ist es nun möglich, auch regionale Zielgruppen zu erreichen. Der Audience-Filter bietet Unternehmen eine festgelegte Anzahl von Filtern an, die auf die einzelnen Zielgruppen zugeschnitten sind. Die Wahl der Zielgruppe wird von Geschlecht und Alter oder auch durch die einzelnen „Lifestyle Kategorien“, die auf den Discover Stories von Snapchat basieren, beeinflusst.

Smart Geofilter
Bei den Smart Geofiltern handelt es sich um eine verbesserte Version der bereits vorhandenen Geofilter, die sich großer Beliebtheit erfreut haben. Diese Art der Werbung ermöglicht dem Nutzer durch das Wischen nach links oder rechts, ortsabhängige Informationen wie Schul- oder Flughafennamen abzurufen. Beispielsweise beinhalten die Geofilter von Warner Bros momentan die Namen vieler High Schools.

Weitere Veränderungen
Zu den drei Marketing-Features kommen noch weitere Verbesserungen für Kunden hinzu, die eine Anzeige auf Snapchat erstellen möchten. Dazu zählt die Verkürzung der Erstellungszeit der Sponsored Filter sowie die Option, dass neuer Content auf altem aufbauen darf. Dies sollte die Produktionszeit auf bis zu 2 Wochen senken. Am 4. Mai stellte das Unternehmen einen Ad-Manager vor, in dem man Anzeigen erwerben kann. Dieser beinhaltet auch eine Benutzeroberfläche, um verschiedene Kampagnen vom Smartphone aus verfolgen zu können sowie einen Business-Manager, in dem die Aufgaben und Rechte eines Administrators bearbeitet werden können. Durch diese Software entwickelt sich Snapchat immer mehr zu einer Self-Service-App im Marketing-Bereich.

Dies ermöglicht den Unternehmen, Werbefläche zu kaufen und die darauf geschaltete Werbung zu bearbeiten und zu optimieren. Zudem lassen sich Kampagnen-Reports abrufen und die Wahl der Zielgruppe organisieren. Das mobile Dashboard erlaubt es den Unternehmen außerdem, deren Anzeigen zu bearbeiten und zu teilen, oder auch deren Ergebnisse zu überprüfen. Auch das Starten, Bearbeiten oder Aussetzen der firmeneigenen Kampagne ist möglich und es lassen sich Statistiken abrufen.

Einige Grenzen besitzt das Werben auf Snapchat allerdings doch: Es erweist sich als schwierig eine Kampagne vor dem eigentlichen Start zu testen, auffällige Videos in hoher Qualität zu produzieren oder innovative Filter bereitzustellen, die von der Community nicht ignoriert werden und das alles noch im Rahmen des Budgets. Trotz allem basiert der Erfolg der Werbung auf einer Social-Media- Plattform nicht auf deren Beliebtheit, sondern wie kreativ diese Werbung umgesetzt wird. Man sollte im Hinterkopf behalten, dass auf Snapchat geschaltete Werbung nichts mit dem eigentlichen Snapchat-Account der Firma zu tun hat. Man braucht auch keine Unmengen an Follower, denn eine Kampagne kann auch ohne viele Follower ein Erfolg sein und ein guter Start, um ein starkes Firmenprofil aufzubauen.

Fazit
Durch eine Erweiterung der Marketing-Tools wird Snapchat für Unternehmen immer interessanter, wobei die App nicht an die Reichweite von Facebook herankommt. Snapchat-Werbung ist eine neue Art des Marketings, denn in diesem Fall ist es der Nutzer selbst, der die Werbung verbreitet. Eine erfolgreicher Werbefilter ist nicht nur interaktiver, persönlicher und einnehmend, zudem ist er auch einzigartig. Da die Anzeige mit der App verschmilzt, wird sie vom Nutzer nicht gezwungenermaßen als Werbung angesehen, sondern eher als eine Art „Spiel“.

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