„Durchs Telefon und durch die Hose – stellt man keine Diagnose“ heißt es bei vielen Ärzten noch heute in der Ausbildung. Und was ist mit Dr. Google? Ich gebe zu, auch ich frage gerne erst die Suchmaschine, bevor ich mich auf dem Weg zum Arzt mache. Die Digitalisierung ist längst in der Medizin angekommen, doch wann wird es den Patienten zu viel? Oder gehen wir irgendwann gar nicht mehr zum Arzt und vertrauen auf virtuelle Diagnosen? In diesem Beitrag wollen wir uns die neuen Möglichkeiten, die sich durch die Verbindung von IT und Medizin ergeben, genauer anschauen.

Das Internet sorgt dafür, dass wir heute immer gut vorbereitet sind. Sei es bevor wir ein neues Restaurant ausprobieren und uns vorher schnell die Speisekarte angucken oder vor der nächsten Urlaubsbuchung akribisch TripAdvisor und Holiday Check durchforsten, bevor wir zufrieden mit unserer Auswahl sind. Dieser Trend macht auch vor der Medizin nicht halt. Auf Portalen wie NetDoktor oder Jameda können heute sogar Ärzte bewertet werden. In unzähligen Foren werden Behandlungsmethoden ausgetauscht und Symptome gedeutet. Eine Studie unseres Kunden Nuance Communications hat ergeben, dass sich bereits 40 Prozent der Patienten vor einem Arztbesuch online informieren – so das Ergebnis einer Befragung von über 3000 Patienten verschiedenen Alters aus Deutschland, Großbritannien und den USA.

Im Krankenhaus selbst soll die Digitalisierung vor allem dazu führen, dass alle berechtigten Mitarbeiter auf alle notwendigen Daten zu jeder Zeit von jedem Ort über ein System mit einheitlicher Oberfläche zugreifen können. Das Wunschbild vom Arzt mit der digitalen Akte in der Kitteltasche ist allgegenwärtig, aber längst noch nicht Realität. Tablets halten erst langsam Einzug in die Kliniken. Auch bräuchte es eine möglichst flächendeckende WLAN-Infrastruktur, um die Geräte ständig auf dem aktuellen Stand zu halten, und diese zu realisieren hängt stark von den baulichen Gegebenheiten ab. Im Klartext: Noch ist die Infrastruktur nicht überall vorhanden. Die rechtlichen Anforderungen, die Ärzte und Pflegepersonal bei der Dokumentation der Patientendaten erfüllen müssen, sind immens, sodass der zeitliche Aufwand immer größer wird. Jede Erleichterung und Beschleunigung der Arbeit ist dabei willkommen. Übrigens auch bei den Patienten. Die oben genannte Studie hat ebenfalls ergeben, dass 97 Prozent sich mit der Verwendung von Technologie im Behandlungszimmer wohlfühlen.

Auch das vielzitierte Internet der Dinge ist in der Gesundheitsbranche angekommen. Unzählige Start-ups weltweit tragen ganz wesentlich zu dem neuen Health-Tech-Trend bei. 4,3 Milliarden Dollar wurden laut dem Forschungsinstitut Rock Health in diesem Bereich allein in den USA investiert. Ein Trend scheinen dabei vor allem Produkte zu sein, die den eigenen Körper analysieren. Forscher prognostizieren, dass es in Zukunft weniger darum gehen wird, Krankheiten zu behandeln, wenn sie bereits ausgebrochen sind, sondern eher, diese zu verhindern und bewusst ein gesünderes Leben zu führen. Bislang folgt dem Trend vor allem die jüngere Generation: An ihren Handgelenken sieht man immer häufiger Activity Tracker der bekannten Anbieter Fitbit, Garmin oder Jawbone. Die künftig mögliche Auswertung der Messdaten durch die Krankenversicherungen über Schlaf, Bewegung und Ernährungsgewohnheiten wird bereits diskutiert und der Erwerb von einigen Kassen bezuschusst. Die Aussichten für Wearables sind weltweit gut: Allein im 2. Quartal 2015 wurden ca. 18 Millionen Wearables verkauft, Tendenz steigend, wie diese Statistik zeigt.

Ein weiterer Schwerpunkt sind Gesundheits-Apps. Ein bekanntes Beispiel ist mySugr, eine App die es Diabetes-Patienten erleichtern soll, mit ihrer Krankheit zu leben. Blutzuckerwerte können protokolliert und analysiert werden. Die Entstehung großer Mengen persönlicher Daten durch solche Apps und auch durch Fitnesstracker wird gerade in Deutschland häufig mit Misstrauen beobachtet. Für die Forschung liegt hier aber großes Potential und eine große Erleichterung, da eine intensive Datenerfassung im Vorfeld einer Studie so vereinfacht wird.

Wo sind die Grenzen bei der zunehmenden Digitalisierung? Was darf Technologie? Gerade im sensiblen Bereich der Medizin spielen diese Fragen eine weit größere Rolle als beispielsweise bei der Vernetzung der Arbeitswelt. Einen regelmäßigen Arztbesuch kann Technologie nicht ersetzen. Aber sie erleichtert es uns, gesünder zu leben und genauer zu beobachten, was dem Körper guttut. Für Ärzte und Forscher bietet die Digitalisierung einige Vorteile, vor allem in Hinsicht auf die Erleichterung der täglichen Arbeit. Sie sparen wertvolle Zeit, die dann letztlich vor allem uns zu Gute kommt, den Patienten.

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