Unlängst haben wir einen Blogbeitrag zum Thema „Mit FinTechs in die digitale Bankenwelt“ veröffentlicht. Im Fokus stand dabei die Frage in welchem Maße Unternehmen der Finanztechnologie klassische Bankendienstleistungen transformieren und sich zu eigen machen. Triebfeder des wachsenden Erfolgs dieser Unternehmen sind die schier unbegrenzten Möglichkeiten der Digitalisierung. Wie Agnes herausarbeitete, erfinden die meisten FinTech-Unternehmen das Rad nicht neu, sondern reagieren vor allem flexibler und zeitgemäßer auf moderne Anforderungen. Die Kontoanmeldung lässt sich ohne Papierkram in kurzer Zeit erledigen, Apps vereinfachen Überweisungen, es gibt plattformübergreifende Möglichkeiten zur Finanzierung etc. pp.

FinTech ist jedoch mehr als die in den Medien oft fokussierten bankenähnlichen Finanzdienstleistungen. Im Laufe der Zeit verengte sich der Blick auf die Geschäftsmodelle der FinTech-Welt zunehmend. Geben wir heute das Schlagwort in eine Suchmaschine ein, häufen sich Artikel zur neuen Bankenkonkurrenz. Wer den Begriff sucht, stößt aber auf der Website deutsche-startups.de auch auf eine andere Definition. Diese schlägt zwar in eine ähnliche Kerbe wie viele Publikationen, lässt aber Spielraum, um zu differenzieren: „FinTech steht für Financial Tech. Unter diesen Sammelbegriff fallen alle Technologien rund um Finanzdienstleistungen. Die Start-ups und Unternehmen im FinTech-Segment wildern meist in den Geschäftsfelder (sic!) der alteingesessenen Banken und Versicherungen.“ Schlüsselwort ist „meist“. Denn es geht auch um andere Bereiche, was eine zweite Definition von Ernst & Young verdeutlicht: „Unternehmen, die innovative Geschäftsmodelle mit Technologie kombinieren, um Finanzdienstleistungen zu unterstützen, zu verbessern und anzugreifen.“

Ein Geschäftsmodell solcher Finanzdienstleistungen ist Supplier-Finance as a Service, also Lieferantenfinanzierung aus der Cloud. Die Idee dahinter: Lieferanten werden häufig verspätet bezahlt, der Kunde hält das Geld zurück. Die Lieferanten können dann Schwierigkeiten mit ihrer Liquidität bekommen und müssen womöglich auf hochverzinste Zwischenfinanzierungen zurückgreifen; der Kunde bekommt nichts. Anbieter wie der HBI-Kunde Taulia, setzen an diesem Punkt an und bieten eine Lösung. Die kann beispielsweise so aussehen, dass der Lieferant dem Kunden einen Skonto auf seine Bestellung anbietet, wenn dieser im Gegenzug früher bezahlt. Je später er zahlt, desto geringer der Skonto. Dieses Modell schafft für den Kunden einen Anreiz früher zu zahlen, weil er bei den derzeitigen niedrigen Zinsen keinen Vorteil durch das Zurückhalten des Geldes hat, aber eine zusätzliche Einnahmequelle schafft. Viele Lieferanten hingegen sind häufig bereit Skonti zu gewähren, wenn sie früher bezahlt werden – so fügen sich zwei Zahnräder nahtlos ineinander.

Dieses Geschäftsmodell besetzt einige Dienstleistungen, die von Banken oder Finanzanbietern bisher kaum oder gar nicht abgedeckt wurden. Denn dank automatisierter Prozesse lassen sich hunderte Lieferanten in kurzer Zeit aufnehmen. Den Anbietern ist zudem, anders als Banken, die Größe der Lieferanten unwichtig. Davon profitieren kleine und mittelständische Unternehmen. Voraussetzung der Prozesse ist dabei, dass Rechnungen usw. elektronisch vorliegen. Hinzu kommt, dass die Beziehung zwischen Buyer und Supplier dank der Plattform enger wird, also Konfliktquellen wie z.B. Frustration beim Lieferanten ausgeräumt werden. Zweifellos handelt es sich also um FinTech. Nur in anderen Bereichen als den klassischen Bankendienstleistungen.

Andere FinTech-Anbieter abseits der klassischen Bankendienstleistungen liefern zum Beispiel Buchhaltungssoftware, die dank Automatisierung Prozesse erheblich erleichtert. Die Zahl der Fehler kann reduziert werden, es sind keine dutzenden oder hunderte Excelsheets vonnöten und auch die Erstellung von Quartals- oder Jahresbilanzen wird erleichtert. Ein Beispiel für solche Anbieter ist Blackline Inc. ein US-amerikanisches Unternehmen.

Es sieht also so aus, als müssten wir beim Blick auf die FinTech-Welt unsere Scheuklappen wieder abnehmen. Was abseits von Investitionen per App und einer Kontoanmeldung per Videochat vor sich geht, ist mindestens genauso revolutionär und oftmals sogar spannender.

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